Die Labels, die wir uns aufdrücken

Die Labels, die wir uns aufdrücken.

Ich bin ein Model. Ich bin ein Fußballer. Ich bin Musiker. Ich bin Manager. Ich bin geduldig. Ich bin naiv. Ich bin aufbrausend. Ich bin emotional. Ich bin kein Öko. Ich bin nicht süß. Ich bin nicht sportlich.

Wir labeln uns. Stecken uns in Schubladen. Immer und immer wieder. Mit unserem Beruf, unseren Eigenschaften, unseren Hobbies. Wir drücken uns ein Label auf, indem wir uns sagen, was beziehungsweise wer wir sind und was oder wer wir nicht sind.

Mir ist in letzter Zeit zunehmend bewusst geworden, welche Wirkung diese Labels auf mich haben können. Zum einen setzte ich mich damit selber unter Druck, weil ich einem Label unbedingt gerecht werden wollte, zum anderen konnte ich mich aber auch zu höheren Leistungen motivieren, wenn ich mich zum Beispiel als Sportlerin bezeichnete. Vielleicht ist auch Dir bei Dir selbst dieser Zwiespalt aufgefallen. Deshalb möchte ich Tipps mit Dir teilen, wie sich Labels für Dich und Deine persönliche Entwicklung positiv nutzen lassen.

Aber was sind überhaupt Labels?

Der Begriff „Label“ wird heutzutage meistens zuerst Marken oder Musik in Verbindung gebracht. Ursprünglich meint der Begriff aber ein Etikett, auf dem Zusatzinformationen stehen oder auch eine Kategorisierung von einem Produkt oder ähnlichem.

Die Labels, von denen ich in diesem Artikel spreche, sind Kategorien, in denen wir uns einordnen. Grundsätzlich sind viele dieser Labels von Natur aus neutral. Erst die Gesellschaft gibt ihnen durch Vorurteile eine gewisse Bewertung.

Die Welt ist nicht schwarz-weiß, sondern bunt. Und so haben auch Labels nicht nur eine Seite. Sie haben nicht nur gute oder schlechte Auswirkungen.

Ein Label kann zur Belastung werden. Wenn wir uns selbst ein Label, also ein Etikett aufdrücken, uns kategorisieren, kann es passieren, dass wir uns damit unter Druck setzen. Wir glauben, diesem Label immer gerecht werden zu müssen, nicht davon abweichen zu dürfen, keine Seite von uns zeigen zu dürfen, die augenscheinlich das Gegenteil von unserem uns aufgedrückten Label ist. Glaubst du, als Künstler dürftest du keine Affinität für Wirtschaft besitzen? Glaubst du, als geduldiger und ruhiger Mensch dürftest du niemals aufbrausend und laut sein?

Wir sagen uns nicht nur, was wir sind, sondern auch, was wir nicht sind oder nicht sein wollen. Weil wir damit eventuell gewisse Vorurteile verknüpfen oder glauben, dass unsere Mitmenschen mit diesen Labels gewisse Vorurteile verknüpfen. Und wir wollen ja nicht als Hippie, Hipster oder Freak von unserer Gesellschaft betitelt werden.

Bei der Wahl Deiner Dir aufgedrückten Labels spielt also auch die Meinung der Gesellschaft eine große Rolle. Zum einen entscheiden die unterschiedlichen Definitionen und Vorurteile bestimmter Personengruppen gegenüber, wer du sein möchtest und wer du glaubst zu sein, zum anderen bewerten deine Mitmenschen auch Dich direkt. Überbewerte diese Meinung nicht. Deine Mitmenschen werden Dir Labels geben, die Du vielleicht nicht magst oder denen Du glaubst nicht zu entsprechen. Als Metalhead mit langen Haaren, voll tätowiert und mit Vollbart möchte man nicht unbedingt als „süß“ bezeichnet werden. Aber wenn es doch vorkommen sollte: Nimm es gelassen. Bewerte es nicht. Es ist nicht negativ gemeint, auch wenn Du eine andere Assoziation und Definition des Begriffes hast, als die Person Dir gegenüber.

Erst wenn Du beginnst, Dich von der Meinung anderer Menschen frei zu machen, anfängst auf Deine Intuition und Dein Herz zu hören und das machst und der bist, der Du wirklich sein willst, kannst Du Deine Labels auch als weniger belastend empfinden.

Labels haben aber auch gute Auswirkungen. Das Positive an Labels ist, dass wir uns durch sie zu etwas verpflichten. Zum Beispiel sagen wir uns: „Ich bin ein Autor/eine Autorin.“ und damit gehen wir einen Vertrag mit uns selbst ein. Wir werden alles daransetzen, diesem Label „Autor/Autorin“ gerecht zu werden und uns diesen Traum zu erfüllen. Wenn wir uns sagen, dass wir gelassen und geduldig seien, dann werden wir auch gut daran tun, dementsprechend zu handeln. Unsere Labels bilden also unsere Identität.

Wie kannst Du Labels für Dich nutzen?

Wie bereits erklärt, haben Labels die Eigenschaft, dass Du Dir damit ein Versprechen gibst und die Labels zu Deiner Identität werden. Du bist also in der Lage Deine Identität zu ändern und zu dem Menschen zu werden, der Du sein möchtest.

Schritt 1: Schaffe Bewusstsein.

Werde Dir darüber bewusst, welche Labels du Dir selbst gibst. Setze Dich entspannt an einen ruhigen Ort und stelle Dir die Frage, wer Du bist. Bist du Vater/Mutter? Manager oder Musiker? Gelassen oder ungeduldig? Kreativ, sportlich, faul? Notiere Dir Hobbies, Beruf, Position, Eigenschaften etc. – alles, was Du glaubst zu sein. Sei dabei ganz frei und ehrlich, bewerte es nicht. Es ist erst einmal egal, ob Du das Hobby oder die Eigenschaft oder die Position als positiv oder negativ empfindest.

Schritt 2: Sortiere Labels aus und erweitere Deine Identität.

Indem Du Dir darüber bewusst wirst, welche Labels Du Dir zugeordnet hast, kannst Du auch entscheiden, welche Labels Du aussortieren und nicht länger entsprechen möchtest.

Also wer willst Du sein? Gehe die aufgeschriebenen Labels durch. Du möchtest nicht länger unsportlich sein, sondern fit und durchtrainiert? Dann streiche das „unsportlich“ und ersetze es durch „durchtrainiert“. Wenn du eine selbstsichere, engagierte Person mit Führungsqualitäten sein möchtest, schreibe diese Begriffe auf Deine Liste. Erweitere Deine Identität durch die Merkmale, die Du haben möchtest. Wenn Du beginnst, diese Merkmale zu verinnerlichen, indem Du Dir die Liste immer wieder durchliest, gibst Du Dir ein Versprechen, diese Merkmale zu erfüllen.

Negative Labels werden zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. Also sei vorsichtig, was Du auf die Liste setzt. Wenn Du der Meinung bist, nicht mutig zu sein, wirst Du anfangen, Dir und anderen das auch immer wieder zu beweisen.

Gebe Dir nur Labels, die Dir helfen Deine Ziele zu erreichen und der Mensch zu werden, der Du wirklich sein willst. Nicht, um anderen zu gefallen. Es spielt keine Rolle, was andere sagen. Nur Du lebst dein Leben und das Leben ist zu kurz, um jemand zu sein, der man nicht sein will.

Labels sind änderbar.

Wir müssen nicht nur in eine Schublade passen und nicht unser ganzes Leben in einer Schublade verbringen. Wir dürfen von Schublade zu Schublade hüpfen, uns mal auch nur auf die Kante einer Schublade setzen, Schubladen stapeln, alles nehmen und alles lassen.

Du darfst Dich ändern. Und in gewisser Weise solltest Du es auch. Du kannst nicht wachsen, wenn Du immer die gleiche Person bleibst. Sei offen für Veränderungen. Gehe von Zeit zu Zeit Deine Liste mit Labels erneut durch und streiche raus, wer Du nicht mehr bist beziehungsweise nicht mehr sein willst.

Welche Labels gibst Du Dir, denen du nicht länger entsprechen möchtest?

Schreibe mir gerne Deine Erfahrungen und Anregungen.

Deine Debby

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